Apr. 14, 2026 | 0 Kommentare

… aus dem Roman ausbüxt und eigene Wege geht

Es gibt Figuren, die bleiben brav dort, wo man sie hingeschrieben hat.

Meine Quinn Perpendikel gehört nicht dazu.

Eigentlich habe ich als Erzählerin von Die Großartigen Gärten des Jonathan Kalmäuser auserkoren. Eine Figur mit ausgeprägtem Sinn für Wörter, Nebenwege und gelegentlich sehr eigene Ansichten über das, was in einer Geschichte erwähnt werden sollte. Während ich also am Manuskript arbeite, Fassungen vergleiche, Sätze streiche und wieder einsetze, hat Quinn offenbar beschlossen, dass ihr das Warten zwischen zwei Buchdeckeln nicht genügt.

Sie hat sich in den sozialen Medien eingerichtet.

Auf eigene Faust, versteht sich.

Dort sammelt sie Wörter, kommentiert Fundstücke, misstraut sprachlichen Nachlässigkeiten und tut so, als sei sie für den Fortbestand des gesamten Wortschatzes persönlich zuständig. Was, wenn man sie fragt, vermutlich auch stimmt.

Ich weiß natürlich davon.

Quinn weiß nur nicht, dass ich davon weiß.

Und damit befinden wir uns bereits mitten in dem kleinen Zwischenraum, den ich an Romanfiguren besonders liebe: Sie entstehen aus dem Schreiben, aber manchmal entwickeln sie eine Richtung, die man nicht mehr vollständig kontrolliert. Sie widersprechen, drängen sich vor, nehmen Abzweigungen, die man nicht geplant hatte – und machen eine Geschichte dadurch lebendiger, als sie am Reißbrett je geworden wäre.

Quinns Auftritt auf Instagram ist deshalb kein Ersatz für den Roman und auch kein ausgelagerter Blog. Es ist eher ein Seitenweg aus der Romanwelt hinaus: ein Ort, an dem ihre Stimme schon hörbar wird, bevor das Buch erschienen ist.

Wer mag, kann ihr dort folgen. Vorsicht ist allerdings angebracht.

Quinn Perpendikel beaufsichtigt Wörter. Und sie nimmt diese Aufgabe ernster, als für die allgemeine Ruhe zuträglich ist.