Schwarzweiß-Porträt der Autorin Katharina Dauer an einem Tisch mit Espressotasse

Gute Geschichten müssen wachsen – oder der etwas eigensinnige Weg zu meinem ersten Roman

Kindheit & erste Geschichten
Geboren 1968 in Anklam lernte ich früh, in Geschichten zu denken und sie aufzuschreiben – meist heimlich, unter der Bettdecke, beleuchtet von einer Taschenlampe. Ungelenke Verse, kleine Erzählungen. Der Versuch, einer nicht immer einfachen Welt eine eigene Ordnung entgegenzusetzen. Diese Sehnsucht hat mich nie verlassen.

Umwege, Brüche, Aufbrüche
Nach dem Abitur wollte ich Deutschlehrerin werden. Doch eine verordnete Studienumlenkung führte mich in ein anderes Fach: Berufsschullehrerin für Pflanzenproduktion an der Humboldt-Universität Berlin. Nach einem Semester brach ich ab – mein Wunsch nach einem eigenen Weg stieß auf institutionelle Widerstände. Ich wollte etwas anderes – und vor allem wollte ich schreiben.

Bei einem Volontariat in einer Betriebszeitung lernte ich das journalistische Handwerk. Dann kam die Wende – eine Zeit der Brüche und Neuordnungen. Eigene Erfahrungen daraus brauchten Distanz – und eine andere Form. Sie werden in einem späteren Roman ihren Platz finden.

Ich bewarb mich auf eine Stellenanzeige für ein Praktikum in einer westdeutschen Werbeagentur und ging dafür allein in einen mir noch völlig unbekannten Teil Deutschlands. Dort fand ich mich, nicht selten überfordert, in einer neuen, schnelleren Welt wieder, die mir viele Möglichkeiten versprach – in der ich Reibungen spürte und neue Erfahrungen sammelte. Später heuerte ich als Stewardess auf einem Passagierschiff an. Die Monate an Bord auf den Weltmeeren waren intensiv, wild und erweiterten meinen Blick auf die Welt und die Menschen. Nach weiteren Lebensstationen und beruflichen Weiterentwickungen führte es mich schließlich zurück nach Potsdam. Ich arbeitete in einem Tageszeitungsverlag, lernte dort neue Menschen kennen – und verliebte mich in denjenigen, wegen dem ich später nach Hessen zog.

Zurück zum Schreiben und Inspiration zum Roman
Die erste Inspiration zu meinem Roman gab mir 2002 Ecke Bonks Installation Buch der Wörter auf der Documenta 11 (die übrigens heute in der Grimmwelt Kassel zu erleben ist). Die Begegnung mit dem Grimmschen Wörterbuch als raumfüllendem Kunstwerk erinnerte mich an meine Liebe zur Sprache und brachte mich wieder zum Schreiben. Zunächst entstanden Miniaturen und Kurzgeschichten.

An der Textmanufaktur bildete ich mich im Prosaschreiben fort. 2018 erreichte meine Kurzgeschichte „Das doppelte Mordchen“ den 2. Platz beim 15. Krimischreibwettbewerb der Gießener Allgemeinen und des Literarischen Zentrums Gießen. Danach entschied ich mich bewusst, an keinen weiteren Ausschreibungen teilzunehmen und meine begrenzte Schreibzeit eigenen Romanprojekten zu widmen.

Die Anregung durch die Installation wirkte lange nach. Erst viele Jahre später sollte die Idee zu Die geheimnisvollen Gärten des Jonathan Kalmäuser Gestalt annehmen.

Heute
Seit 2020 arbeite ich an meinem dreiteiligen Debütroman Die geheimnisvollen Gärten des Jonathan Kalmäuser – mit Freude am sprachlichen Spiel und der nötigen Beharrlichkeit. Teil I liegt in überarbeiteter Fassung vor, die Teile II und III als vollständige Arbeitsfassungen. Drei weitere, sehr unterschiedliche Romanideen liegen mir ebenfalls am Herzen.

Ich lebe mit meinem Mann in Mittelhessen und bin Mutter zweier Töchter. Neben dem Schreiben absolviere ich derzeit eine Fortbildung zur Content Creatorin.