Manchmal sieht Arbeit von außen erstaunlich unspektakulär aus: ein Stapel Papier, ein paar Dateien, zu viele Notizen, zu wenig Schlaf. Und doch steckt in genau so etwas ein kleiner Meilenstein.
Ich habe in den vergangenen Jahren fleißig an meiner Romanreihe gearbeitet – und nun stehen tatsächlich alle drei Manuskripte in ihrer Zweitfassung.
Das heißt nicht, dass vorher nichts da war. Es gab längst einen Rohentwurf, vor geraumer Zeit sogar. Aber zwischen einem ersten Hinschreiben und einer Fassung, die wirklich trägt, liegt bekanntlich eine eigene kleine Welt: voller Zweifel, Verwerfungen, verworfener Seiten, gestrichener Lieblingsstellen, neuer Lösungen und der immer wiederkehrenden Frage, ob man sich nicht hoffnungslos verrannt hat.
In dieser Überarbeitung habe ich Stimmigkeiten nachgebessert, Handlungen geschärft, Darlings ziehen lassen, Figuren mehr Format gegeben und genauer hingehört, wo etwas nur behauptet war, das gezeigt werden musste. Vor allem Jonathan Kalmäuser, mein introvertierter Werbetexter, ist mir dabei noch einmal nähergekommen. Er hat Kontur gewonnen, Widersprüche, Eigensinn – und hoffentlich genau jene Lebendigkeit, die eine Figur braucht, um nicht bloß durch eine Geschichte zu laufen, sondern sie wirklich zu tragen.
Auch die Stimme meiner Erzählerin Quinn Perpendikel habe ich weiter erprobt, verschoben, geprüft und an manchen Stellen neu austariert. Nicht alles ging leicht. Es gab Tage, an denen ich dachte: Das wird nie rund. Und dann wieder diese kleinen, kostbaren Momente, in denen plötzlich ein Kapitel aufging, ein Ton stimmte oder eine Szene endlich an ihrem Platz saß.
Im Moment fühlt es sich tatsächlich so an, als dürften diese Zweitfassungen erst einmal stehen bleiben – bis zur nächsten Überarbeitung. Und die wartet schon: Die ersten 58 Seiten von Teil 1 mussten bereits eine dritte Runde über sich ergehen lassen.
Davon erzähle ich euch bald mehr.
