In den vergangenen Wochen ist mit meinem Romanprojekt etwas passiert, das ich lange nur als Möglichkeit im Hinterkopf hatte: Mein Manuskript wurde angefordert.
Nachdem ich Exposé, Leseprobe und Vita verschickt hatte, wollte jemand aus dem Literaturbetrieb mehr lesen.
Das ist noch keine Zusage. Kein Vertrag. Kein Erscheinungstermin. Aber es ist ein Schritt, der sich für mich wichtig anfühlt.
Für mich bedeutet er vor allem deshalb viel, weil mein Projekt nicht ganz leicht in eine Schublade passt. „Die Großartigen Gärten des Jonathan Kalmäuser“ ist eine noch unveröffentlichte Romantrilogie über Sprache, Erinnerung, Aufmerksamkeit und vergessene Wörter. Der Roman arbeitet mit einer eigenen Erzählstimme, mit phantastischen Elementen und mit einer gesellschaftlichen Frage: Was passiert, wenn Sprache immer stärker durch Bilder, Displays und verkürzte Reize verdrängt wird?
In den letzten Wochen musste ich mein Projekt deshalb stärker von außen betrachten. Nicht nur als Autorin, die den Stoff kennt, sondern auch mit den Fragen, die für Agenturen und Verlage entscheidend sind: Worum geht es genau? Wer soll das lesen? Was ist der besondere Ton? Und wie lässt sich ein ungewöhnliches Projekt so beschreiben, dass seine Eigenart verständlich wird?
Die Rückmeldungen dazu waren für mich äußerst ermutigend. Das Manuskript war bereits von Testleserinnen und Testlesern sehr positiv aufgenommen worden. Besonders wichtig bleibt für mich nun, dass auch im professionellen Blick auf das Projekt die sprachliche Eigenart und der Kern des Romans erkennbar wird. Sprache ist in diesem Roman nicht Dekoration, sondern Thema, Konflikt und Antrieb.
Während des Schreibens habe ich den Literaturbetrieb bewusst ausgeblendet. Ich wollte zuerst der Geschichte folgen, nicht ihrer möglichen Einordnung. Jetzt geht das Manuskript Schritt für Schritt genau in diesen Raum: zu Menschen, die professionell auf Texte, Stimmen, Zielgruppen und Marktchancen schauen. Und damit beginnt ein anderer Teil des Prozesses: Warten.
Dass Warten dazugehört, weiß ich. Abgewogene Antworten brauchen Zeit. Entscheidungen entstehen nicht über Nacht. Für mich als Debütautorin ist diese Phase trotzdem eine Herausforderung, weil sie zwischen Hoffnung und Sachlichkeit stattfindet.
Ich versuche, diese Zeit sinnvoll zu nutzen: weiterarbeiten, sortieren, die Website ausbauen, neue Werkstattnotizen schreiben und mein Projekt noch klarer fassen.
Denn unabhängig davon, wie die nächste Antwort ausfällt, hat sich in den vergangenen Wochen etwas geklärt: Dieses Romanprojekt hat einen eigenen Ton, einen klaren sprachlichen Kern und einen Weg nach draußen begonnen.
