Nicht jeder Ort wirkt auf den ersten Blick großartig. Manche Orte sind zu still dafür, zu verwildert, zu sehr aus der Zeit gefallen. Die Großartigen Gärten sind so ein Ort.
Was einmal gepflegt, geplant und vielleicht sogar ein wenig stolz gewesen ist, hat sich verändert. Wege verschwinden unter Gras, Beete geraten aus der Form, Gewächshäuser tragen die Müdigkeit vieler Jahre. Und doch liegt in dieser Verwilderung nichts Trostloses. Eher etwas Wartendes. Als hätte sich dort etwas zurückgezogen, das nicht verschwunden ist, sondern nur darauf hofft, wieder gesehen zu werden.
Mich interessiert an dieser Welt nicht nur das Sichtbare, sondern auch ihre eigentümliche Stimmung: das Rascheln zwischen den Beeten, der Geruch von Erde und feuchtem Glas, die Vorsicht, mit der man etwas berührt, das zugleich zart und rätselhaft ist.
In den Großartigen Gärten ist Pflege nie bloß Gartenarbeit. Sie ist Aufmerksamkeit. Geduld. Verantwortung für etwas, das sich nicht laut bemerkbar macht.
Vielleicht mag ich diesen Schauplatz gerade deshalb so sehr. Weil er nicht drängt. Weil er zeigt, dass Rettung nicht immer mit großen Gesten beginnt, sondern manchmal damit, dass jemand bleibt — zunächst vielleicht sogar unfreiwillig — und hinsieht, gießt, aufhebt, schützt.
Und vielleicht ist das am Ende das Geheimnis dieser Gärten: dass sie nicht nur ein Ort sind, sondern eine Haltung.
Übrigens: Jetzt, wo du schon einmal da bist, kann ich dir verraten, dass es einen konkreten Ort gibt, der mich zu den Großartigen Gärten inspiriert hat. Als ferne atmosphärische Verwandtschaft darf man vielleicht an Orte wie den Palmengarten in Frankfurt a.M. denken — nur dass meine Großartigen Gärten natürlich deutlich eigensinniger sind.
Vielleicht zeige ich ihn dir in einem späteren Blogbeitrag. Du hast sicher Verständnis dafür, dass ich solche Ausflüge gut planen muss. Meine Hauptreise ist schließlich das Schreiben — und wenn ich unterwegs bin, dann meistens auf dem Papier.
